Warum ist das Dateiformat von 'Word' (Endung .DOC) kein
Austauschformat?
Microsofts Strategie zur Erstickung aller Konkurrenz durch die
Verbreitung ihrer proprietären Dateiformate scheint aufzugehen.
Dem Benutzer von Microsoft Office wird vorgegaukelt, es sei ganz
einfach, seine Dokumente im jeweiligen Format weiterzugeben. Auf
Diskette, per e-mail oder sogar zum Download im WWW.
Wer mit solchen Leuten zu tun hat, wird dadurch gezwungen, sich
ebenfalls die Software von Microsoft anzuschaffen, um mit den
gesendeten Daten auch etwas anfangen zu können.
Aber es sind nicht nur politische Gründe, die gegen den
Austausch von Dateien im .DOC-Format von MS Word sprechen. In
den meisten Fällen ist das Format schlicht ungeeignet und zu
risikobehaftet.
Virengefahr
Word-Dokumente können Makroviren enthalten. Daher sollten DOCs
von fremden Rechnern nur nach sorgfältiger Prüfung
geöffnet werden.
Eine ausführliche Untersuchung
des BSI
kam schon 1997 zu dem Fazit:
Makro-Viren sind ein Problem, das jeden Computer-Nutzer treffen
kann. Es sind daher nicht die Anwender oder die Hersteller von
Anti-Virus-Software gefordert, sondern die Hersteller der
Anwendungsprogramme, die die Möglichkeit bieten, mit
Makro-Hochsprachen zu arbeiten. Die Einbettung von Makros, die mit
diesen Sprachen geschrieben werden, ist so sicher zu machen,
daß ein Anwender nicht Gefahr läuft, lediglich durch das
Lesen von Texten oder Tabellen einen Verlust von Daten auf seinem
Rechner hinnehmen zu müssen. Sollten die Hersteller weiter nur
Wert auf Funktionalität und nicht auch auf Sicherheit legen, so
sind die Anwender gefordert, ihre Unzufriedenheit entsprechend
kundzutun auch wenn dies nicht immer einfach und sofort wirksam
ist.
Den zitierten Text gibt es nicht mehr im Web, dafür einen neuen
Grundlagenartikel des BSI über Makrovieren. Auch wenn seit dem Jahr 2000 die E-Mail-Würmer in der Anzahl des Auftretens die Makrovieren überholt haben, sind diese weiterhin eine aktuelle Bedrohung, vor allem im Zusammmenhang mit den neuen kombinierten Multi-Schadprogrammen.
Da es Microsoft auch seither nicht gelungen ist, ihre Scriptsprache
wirksam gegen Viren zu schützen, bleibt den Anwendern nur, auf die
Weitergabe von script- und makrofähigen Dokumenten zu
verzichten.
Auch wenn ich davon ausgehe, dass meine Dokumente
sauber sind, will ich niemandem, der nicht genau die Risiken
einschätzen kann, empfehlen, irgendein fremdes
Word DOC auf seinen Rechner zu holen.
Auch mit neuen Versionen von Office wird das Virenproblem nicht
gelöst. Im Gegenteil, jede neue Version liefert neue Ansatzpunkte
für Virenprogrammierer:
PC-Welt: Gefährliches Office 2000
Office 2000 enthält einige neue Abwehrfunktionen gegen die
heute verbreitetste Virenart, die Makroviren. Wirklichen Schutz
bieten sie allerdings nur bedingt - die Schutzfunktionen können
sogar bewirken, dass sich Viren erst recht und unerkannt
ausbreiten.
(leider hat die PC-Welt schon wieder ihre Website
so umgebaut, dass alle dorthin gesetzten Links ungültig wurden.
Ich suche gerade nach einer Zitierstelle mit besserer
Web-Kompetenz)
- Informationen zu Computer-Viren
- vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
- c't -
Anti-Virus-Bookmarks
- Allgemeine Informationen zu Computer-Viren und ihrer
Bekämpfung
- Porsche
verschickte Virus
- Was ist unangenehmer, als von einem Computer-Virus befallen zu
werden? Aus Versehen einen Virus zu verbreiten. Eben das ist Porsche
im Sommer 2001 passiert.
- Die Konsequenz:
[...]
Eventuell wolle man sich als langfristige Lösung überlegen,
ganz auf Office-Dateitypen zu verzichten und stattdessen .txt- oder
.pdf-Dateien zu verwenden.
Kompatibilität
Nicht einmal ältere Word-Versionen können Dokumente einer
neuen WinWord-Version öffnen. Geschweige denn Menschen, die ein
anderes Betriebssystem oder ein anderes Schreibprogramm benutzen.
Textsicherheit und
Datenschutz
Das DOC Format ist weder veröffentlicht, noch im plaintext
nachvollziehbar. Jedes DOC enthält unkontrollierbar Datenmüll
von Ihrer Festplatte, die Seriennummer Ihrer Netzwerkkarte und
vieleicht noch mehr...
Ich würde es nicht leichtfertig anderen Leuten zur
Verfügung stellen.
Bei jedem Speichern werden zusätzliche Daten in die Worddatei
geschrieben (das ist auch der Grund, warum ein DOC mit jeder
Änderung etwas grösser wird). Das hat zur Folge, dass
Fragmente aus den Vorversionen, die längst gelöscht sein
sollten und die gesamte Bearbeitungsgeschichte des Textes noch in der
DOC-Datei enthalten sind. Mit einem Texteditor lassen sie sich
teilweise wieder sichtbar machen.
Ausführlich hat sich damit die Computerzeitschrift
PC-Welt in der Ausgabe 07/99 (S. 242-243)
beschäftigt. Anhand öffentlicher Pressemitteilungen
lässt sich zum Beispiel die interne Organisationsstruktur von
Microsoft minutengenau rekonstruieren...
-
Verborgene
Infos
- Was Dateien im Word-Format verraten, Microsoft inoffiziell, Was
Sie tun müssen (leider gibt es die PC-Welt
Artikel nur noch gegen Bezahlung, ich suche derzeit nach einer
Alternative)
Alternative: Text
In vielen Fällen ist es überhauptnicht nötig, alle
Formatierungen eines Textes weiterzugeben. Gerade bei e-mails
würde meist ein einfacher Text, direkt im e-mail-Programm
geschrieben oder übers clipboard ("Zwischenablage") einkopiert,
völlig genügen.
Alternative: RTF
Ebenfalls von Microsoft entwickelt, aber mit offengelegten
Syntaxregeln und im Quelltext nachvollziehbar ist das Rich Text
Format (RTF) zumindest das kleiner Übel.
Es enthält alle Textformatierungen, wird von den meisten
Textverarbeitungen unterstützt, kann keine Viren übertragen,
ist für Word-User genauso unproblematisch in der Handhabung wie
'DOC'.
Eigentlich ist für RTF eine Zeichensatzdeklaration vorgesehen.
Leider wird diese von einigen älteren Programmen (Claris Works,
Word Perfect) nicht richtig geschrieben und interpretiert, so dass es
auch hier beim plattformübergrifenden Dateienaustausch zu
Problemen mit falsch dargestellten Umlauten kommen kann.
RTF enthält keine Kompression für eingebundene Grafiken.
Grafiklastige Dokumente werden deshalb deutlich grösser als im
.DOC-Format und sollten deshalb vor dem Versand komprimiert werden
(z.B. im ZIP-Format). Dokumente, die nur Text enthalten, sind
dafür kleiner.
-
Beschreibungsformate: Rich Text Format RTF
- In ihrer Diplomarbeit hat Beate Fuhrmann verschiedene Textformate
durchleuchtet. Das eignetliche Projekt "GUT" ist zwar dank CSS und
XML inzwischen wohl obsolet, aber der Abschnitt über RTF ist das
Beste, was mir zu dem Thema untergekommen ist.
- RTF-Tools - RTF
software and documentation / ftp://ftp.primate.wisc.edu/pub/RTF/
- zwar nicht auf dem neusten Stand, für die Nachbearbeitung
und Konvertierung allerdings immer noch nützlich. Außerdem
gibt es hier die RTF-Specifikationen bis incl. Version 1.5.
- upCast
- Zum Weiterkonvertieren in andere Formate eignet sich RTF
wesentlich besser als DOC. Die Münchner Firma infinity-loop
verfolgt einen sehr interessanten Ansatz mit ihrem Programm, das RTF
in XML oder xhtml umwandelt.
- RTF-Dateien
doch nicht ganz ungefährlich
- Wenn ein Dokument mittels Microsofts OLE-Funktion andere Objekte
eingebettet hat, können diese auch innerhalb einer .RTF-Datei
noch Macro-Viren transportieren. (PC-Welt)
-
Rich Text Format (RTF) Specification, version 1.6
- Die aktuellste Version der RTF Spezifikationen, für alle,
die es ganz genau wissen wollen.
- Die Website von Microsoft mit der Orginalversion
ist leider so schauderhaft benutzerfeindlich, daß ich sie nicht
empfehlen kann.
Alternative: PDF
Das professionelle Standardformat zur Weitergabe von formatiertem
Text in digitaler Form ist das Portable Document Format
(PDF).
Es wurde von Adobe als Erweiterung der Seitenbeschreibungssprache
PostScript (Standard zum Ansteuern professioneller Drucker) entwickelt.
Der Acrobat Reader ist kostenlos und gehört zur
Standard-Installation jedes PC.
Die Vorteile sind Layout-Echtheit, Vielseitigkeit und
Plattformunabhängigkeit. Mit einem verbreiteten PlugIn können
PDF-Dokumente auch direkt aus dem Internet im Web-Browser betrachtet
werden.
Die Vollversion von Acrobat, mit der PDF-files auch erzeugt und
editiert werden können, ist leider relativ teuer.
Es gibt aber auch eine Vielzahl von Freeware- und
Shareware-Programmen, die (z.B. als Druckertreiber installiert) das
Erzeugen von PDF-Dateien sehr einfach machen.
- Adobe
Acrobat
- Die Marketing-Seiten von Adobe
- Acrobat
Reader
- die komplette Liste aller downloadbaren Versionen
- Acrobat
/ PDF Technical Notes
- Adobe selbst bietet die exakten Spezifikationen des PDF-Formats
und weitere verwandte Dokumente zum Download an.
- Create Adobe PDF
online
- Sicher keine Lösung, wenn man oft PDF-Dokumente zu erstellen
hat, aber zum Ausprobieren reicht der online-Konverter schon
(Anmeldung notwendig, 5 Versuche kostenlos).
- PostScript und
PDF
- ausführliche und gut lesbarere technische Einführung
aus dem RZ der HU-Berlin.
- Planet PDF
... is an independent global resource for Adobe Acrobat pdf
products, tools, information, tips, free software demos and user
discussion forums.
- Ghostscript
- das Freeware Programmpaket zur Bearbeitung von
PS und PDF Dateien
- PrintToPDF
- MacOS Druckertreiber (auf der Seite gibt es auch diverse Links zu
vergleichbaren Windows-Programmen)
Weitere Links:
- Ein
Plädoyer für software-unabhängige
Klartextformate
- Eine eindrucksvolle Erklärung der Vorteile von offenen
plaintext-Dateiformaten gegenüber proprietären (= in
Firmenbesitz befindlichen) Lösungen findet Ihr in Version 7 von SelfHTML (Stefan Münz). Leider wurde dieser Artikel
in der aktuellen Ausgabe gestrichen.
- Achtung
Makroviren!
- Eine Einführung zum Thema Viren in Word-DOCs. Wichtigste
Neuerung, seit der Text geschrieben wurde (1996): inzwischen gibt es mehrere
tausend Makroviren. (Hans-Peter Löw,
HRZ Gießen)
- Datenbezogene
Standards und Normen im Internet
- Generell eine gute Einführung in verschiedene Dateiformate
bietet diese Studienarbeit der Universität Regensburg aus dem Jahr 2000
(PDF-Format).
Software:
- Office 98
Updates & Downloads (MacOS)
- Wer Microsoft Office benutzt, sollte mit dem update zumindest die
bekannten Sicherheitslöcher schliessen.
- Microsoft
Word 97-98-2000 Converter (MacOS)
- Wenn Ihnen jemand Word-Dokumente zukommen lässt, können
Sie sie mit dem 'batch converter' ins RTF-Format umwandeln, auch wenn
Sie ansonsten kein Microsoft-Produkt installiert haben.
- Spezielle
Probleme mit Word
- Derzeit 15 Hilfetexte eines Mitarbeiters der ZeDat der FU-Berlin
(Jürgen Auer)
Zum Schluss...
Wie immer freue ich mich über Anmerkungen, Ergänzungen und
weitere Links.